Andachten

Pfarrerin Ute Grieger-Jäger aus dem Gemeindebrief 2-2019

Kinder,
wie die Zeit vergeht!

„Meine Zeit
steht in deinen Händen…“

 

In meinem Schrank für allerlei kleine und größere Symbole für Gottesdienste besonders mit Kindern findet sich eine kleine Sanduhr. Von Zeit zu Zeit hole ich sie hervor, immer dann, wenn etwas Neues beginnt, ein Schuljahr bei den Kindern, ein Schulwechsel, der gerade jetzt wieder in vielen Familien bedacht wird.

Die kleine Sanduhr: ich finde es immer wieder reizend, sie zu betrachten. Der Reiz liegt für mich darin, wahrzunehmen, wie heilsam es sein kann, sie anzuschauen.

In früheren Genrationen haben die Menschen die Zeit mit der Sanduhr gemessen. Heute haben wir ganz andere Möglichkeiten. Wir haben Quarzuhren, Atomuhren. Bis auf die Sekunde genau geben sie uns die Zeit an. Diese Uhren muss man nicht umdrehen wie eine Sanduhr oder aufziehen wie eine mechanische Uhr. Sie laufen nicht ab, sie laufen einfach weiter, immer weiter – und weiter – endlos. Nach unserem heutigen Empfinden ist die Zeit wohl auch ein gleichbleibendes Kontinuum: Es geht immer weiter so.

Und dennoch! Wir machen ganz andere Erfahrungen: Ein Tag geht zu Ende, ein Jahr, ein Leben. Unsere Zeit ist befristet. Und nicht nur unsere persönliche Lebenszeit findet ein Ende, sondern die Zeit überhaupt.

Die Menschen früherer Zeiten hatten das vielleicht unmittelbarer vor Augen als wir heute, wenn sie auf eine Sanduhr blickten – wie auf den Bildern des Barock zum Beispiel.

Der Sand rinnt aus dem oberen Glas in das untere. Die Zeit verrinnt, sichtbar. Sie wird weniger. Sie läuft ab. Sie geht nicht unendlich lang. Sie ist endlich. Die Zeit ist wie ein begrenzter Vorrat, an Tagen, Wochen,…, Jahren. Ein Vorrat, der uns geschenkt ist. Was machen wir mit der uns geschenkten Zeit? Wir können sie zum Beispiel versilbern: Zeit ist Geld, sagen wir. Wir können sie vertreiben oder auch vertun. Wir können sie sogar totschlagen.

Und wir können sie verschenken. Zeit kann ein wunderbares, richtig kostbares Geschenk sein, das wir füreinander haben. Denn mit der Zeit geben wir nicht nur irgendetwas, sondern wir uns selbst.
„Wo bleibt nur die Zeit?“, frage ich mich manchmal.

Die Sanduhr kann ein Zeichen werden. Der Sand, der aus dem oberen Glas in das untere rieselt, läuft ja nicht ins Bodenlose, ins Leere. Die Zeit läuft nicht weg. Sie wird aufgefangen und gesammelt. Sie verläuft nicht im Sand.

In dem wunderbaren Psalm 31 lese ich: „Meine Zeit steht in Gottes Händen…“ So wie in der Sanduhr das untere Glas den Sand auffängt, so hält mich Gott in seinen Händen. All meine Zeit und alles Erlebte ist darin sichtbar gehalten.