Andachten

 

Pfarrerin Christiane Birgden aus dem Gemeindebrief 3-2019

So schmeckt der Sommer

Der Geschmack schwarzer Johannisbeeren

 

Wissen Sie, wie schwarze Johannisbeeren schmecken? Schwarze Johannisbeeren – eigentlich mag ich die gar nicht. Aber so schmeckt für mich der Sommer.

Der Onkel einer Grundschulfreundin hatte bei uns im Dorf eine Gärtnerei. Im Sommer waren wir oft dort und streunten zwischen Treibhäusern und Bohnenstangen herum. Oft gab es was zu helfen: Erbsen puhlen, Bohnen fädeln. Am liebsten halfen wir bei der Ernte der Beerenbüsche. Das taten wir gern, denn gleichsam als Lohn für unsere Arbeit durften wir von den reifen Früchten so viel essen, wie wir wollten. Angesichts der endlosen Reihen von Beerenbüschen fiel das, was wir aßen, nicht wirklich ins Gewicht und so war es ein guter Deal für alle.

Also pflückten wir, pflückten, bis sich die Körbe füllten. Zunächst quatschten meine Freundin und ich noch, was Grundschülerinnen eben so zu bequatschen haben. Aber dann wurden wir immer stiller und stiller, weil die vordergründig eintönige Arbeit uns immer ruhiger werden ließ. Erst die tief stehende Sonne erinnerte uns daran, dass wir flugs nach Hause mussten.

Geblieben ist der herb-süße Geschmack der schwarzen Johannisbeere. Vor ein paar Jahren habe ich mir einen Busch in den Pfarrgarten gepflanzt. Nicht weil ich die Beeren besonders gern mag, sondern vielmehr um mich zu erinnern an die Sommer, die endlos schienen, damals in meiner Kindheit. Wenn ich jetzt oft von Termin zu Termin hetze, pflücke ich mir gelegentlich eine dieser Wunderbeeren. Und die lässt mich erinnern, dass es mal einen anderen Rhythmus gab und der Geschmack lässt mich Anteil haben an dieser längst vergangenen Zeit.

Es ist ein besonders gnädiges Geschenk Gottes, dass er uns in Geschmäckern, Gerüchen und Klängen längst vergangenen Zeiten nah sein lässt, deren Unbeschwertheit noch heute heilsam und wohltuend in unsere Gegenwart wirkt. Wie schmeckt, duftet oder klingt für Sie der Sommer? Erzählen Sie mir davon!