Andachten

Pfarrerin MbA Franziska Boury aus dem Gemeindebrief 1-2019

Neuanfang – Alle Jahre wieder…
Advent einmal anders

Biblische Verse
neu (anders) betrachtet

 

Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes;
Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
Und seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten.
Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.
Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf,
wie er geredet hat zu unseren Vätern, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.

(Bibel Lk 1, 46b-55)

 

Erheben, freuen, ansehen, sehen, preisen, tun, sein, währen, fürchten, üben, zerstreuen, stoßen, füllen, lassen, ausgehen, gedenken, helfen, reden. Wenn Sie diese Verben lesen, was fällt Ihnen dazu ein? Bleibt der Blick auf einem Wort? Klingt etwas nach? Wenn Sie mögen, halten Sie inne, bevor Sie weiterlesen, und halten in Ihrem Inneren Ihre Gedanken fest.

Erheben, freuen, ansehen, sehen, preisen, tun, sein, währen, fürchten, üben, zerstreuen, stoßen, füllen, lassen, ausgehen, gedenken, helfen, reden.

Sein – „Sein oder nicht Sein, das ist hier die Frage.“ Oder geht es eigentlich um die Qualität des „Seins“ – „Wie man ist?“

Währen – ein altes Wort. In meiner Alltagssprache kommt es gar nicht mehr vor. Ein kirchliches Wort. Etwas, das Bestand hat. Bis in alle Ewigkeit ist. Auf jeden Fall kein Neuanfang – ein Immer-Sein.

Üben – eher ein Neuanfang und eine Aufgabe für die Zukunft. Üben hat etwas damit zu tun, dranzubleiben, nicht aufzugeben, etwas zu verbessern oder zu verfeinern.

Freuen/ preisen/fürchten: Verben, die starke Gefühle in sich tragen. Verben, die viel Lebensenergie in sich tragen. Gesichter und Körper geben diesem Tun einen starken Ausdruck.

Helfen: Unsere christliche Tugend? Oder eine selbstverständliche menschliche Erwartung?
Vielleicht sind Ihnen ganz andere Verben ins Auge gesprungen und Sie haben ganz andere Assoziationen gehabt.

Die Verben stammen alle aus dem Loblied der Maria, als sie Elisabeth besucht. Zwei schwangere Frauen begegnen sich, für beide ist es ein Neuanfang, sie werden zum ersten Mal Mutter, die jüngere und die ältere Frau. Möglicherweise fürchten sich beide ein wenig. Die Ältere, weil sie schon so viel erlebt hat, schon so viele Erfahrungen gesammelt hat, ihre Lebensweisheit in sich trägt und weiß, dass man weniger im Leben bestimmen kann, als man meint. Die Jüngere, weil noch gar nichts klar ist. Sie ist gerade einmal verlobt. Die ganze Zukunft ist noch offen – es ist nichts geplant. Und wahrscheinlich freuen sich beide auf diesen Neuanfang. Gott macht an beiden ein Versprechen wahr. Gott hat sich in beide Leben eingemischt. In das von Elisabeth und Zacharias, ihr Leben wird in ihrem Sohn fortgeführt. Der Segen für das Leben kann weitergegeben werden. Er schenkt beiden sein Wunder. Und er mischt sich in das Leben von Maria und Josef ein. Ein Kind – sie müssen schneller zusammenwachsen als Familie als geplant. Sie müssen zusammenhalten für die Volkszählung, für die Verfolgung durch Herodes, zum Schutze ihres Sohnes. Und mit Jesus mischt sich Gott in unser Leben ein. Rührt auf! Rüttelt auf! Lässt Lebensweisheit und Unerfahrenheit innehalten, um Neues über das Wunder des Lebens – für alle Menschen – für die ganze Schöpfung zu erfahren.