„Ich will nach Hause!“ – Was tun bei Heimweh?

Informationen für Eltern und Sorgeberechtigte zu den Kinder- und Jugendfreizeiten der Evangelischen Kirchengemeinde Hürth

Eine Freizeit ist ein kleines Abenteuer: neue Menschen, eine andere Umgebung, viel Programm und jede Menge Erlebnisse. Für viele Kinder und Jugendliche gehört auch eine ungewohnte Erfahrung dazu: Sie sind mehrere Tage ohne ihre Eltern unterwegs.

Und manchmal kommt dann das Heimweh. Vielleicht erreicht Sie abends eine WhatsApp-Nachricht: „Ich vermisse euch. Ich will nach Hause!“

Natürlich möchten Sie Ihrem Kind in diesem Moment helfen. Das können Sie auch – und zwar oft am besten, indem Sie ihm Mut machen, ihm etwas zutrauen und uns als Freizeitleitung einbeziehen.

Heimweh ist ganz normal

Heimweh kann jeden treffen, auch Jugendliche, die sich sehr auf die Fahrt gefreut haben. Es bedeutet nicht, dass die Freizeit schlecht ist oder dass sich Ihr Kind nicht wohlfühlt.

Besonders abends wird das Heimweh häufig stärker. Tagsüber ist viel los: Ausflüge, Spiele, Gespräche und gemeinsame Unternehmungen. Abends wird es ruhiger. Die Müdigkeit kommt dazu, das eigene Bett fehlt und plötzlich ist die Sehnsucht nach zu Hause groß.

Deshalb erleben wir manchmal, dass Jugendliche abends traurig nach Hause schreiben, obwohl sie tagsüber viel Spaß hatten. Und nicht selten sieht am nächsten Morgen die Welt schon wieder ganz anders aus.

Machen Sie Ihrem Kind Mut!

Wenn Ihr Kind sich mit Heimweh bei Ihnen meldet, nehmen Sie seine Gefühle ernst. Gleichzeitig dürfen Sie ihm zutrauen, diese schwierige Situation zu bewältigen.

Zum Beispiel so:

„Ich kann gut verstehen, dass du uns vermisst. Das ist auch völlig okay. Aber ich weiß, dass du das schaffst. Morgen erlebt ihr bestimmt wieder viele tolle Sachen. Sprich doch mal mit deinen Teamern darüber, wie es dir gerade geht. Die sind für dich da!“

Was weniger hilft, sind vorschnelle Angebote wie: „Wenn du möchtest, holen wir dich morgen ab.“ Damit wird aus einem vielleicht vorübergehenden Gefühl schnell eine Entscheidung über die gesamte Freizeit.

Unser Wunsch ist: Ermutigen Sie Ihr Kind zum Bleiben, statt vorschnell eine Abholung anzubieten.

Die wichtigsten Menschen sind jetzt vor Ort

Unsere Freizeiten werden von einem Team aus haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden begleitet. Sie sind für die Jugendlichen da, hören zu, trösten, suchen gemeinsam nach Lösungen und helfen dabei, Anschluss an die Gruppe zu finden.

Das funktioniert allerdings nur, wenn sie auch wissen, dass jemand Heimweh hat.

Ermutigen Sie Ihr Kind deshalb, sich einer Betreuungsperson anzuvertrauen. Manchmal hilft schon ein Gespräch, eine gemeinsame Beschäftigung oder ein bisschen Gesellschaft vor dem Einschlafen.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind sich nicht selbst an jemanden wenden kann, nehmen Sie bitte Kontakt mit der Freizeitleitung auf. Wir kümmern uns darum.

Weniger WhatsApp kann mehr sein

Natürlich ist es schön, voneinander zu hören. Aber gerade bei Heimweh kann ständiger Kontakt nach Hause die Sehnsucht noch verstärken.

Lange Telefonate, viele WhatsApp-Nachrichten oder regelmäßige Nachfragen wie „Ist es jetzt besser?“ lenken die Aufmerksamkeit immer wieder auf das, was gerade fehlt. Dabei möchten wir den Jugendlichen helfen, sich auf das einzulassen, was sie auf der Freizeit erleben können.

Deshalb unsere Bitte:

  • Verzichten Sie möglichst auf lange Telefonate und intensive WhatsApp-Gespräche bei Heimweh.
  • Machen Sie Ihrem Kind Mut, sich den Menschen und Erlebnissen vor Ort zuzuwenden.
  • Vermeiden Sie vorsorgliche Abholversprechen.
  • Informieren Sie die Freizeitleitung, wenn Ihr Kind Ihnen von größeren Schwierigkeiten berichtet.

Eine kurze, liebevolle Nachricht kann guttun. Danach darf das Handy aber auch wieder zur Seite gelegt werden.

Und wenn es wirklich nicht mehr geht?

Selbstverständlich nehmen wir Heimweh und andere Sorgen ernst. Niemand soll auf einer Freizeit mit seinen Problemen allein bleiben.

Nicht immer steckt hinter dem Wunsch, nach Hause zu fahren, tatsächlich nur Heimweh. Vielleicht gibt es Streit, Ausgrenzung, Ängste oder andere Schwierigkeiten. Auch solche Dinge dürfen und sollen Jugendliche ansprechen – bei uns und jederzeit auch bei Ihnen.

Wenn Ihr Kind von Grenzverletzungen, Übergriffen oder Situationen berichtet, in denen es sich nicht sicher fühlt, nehmen Sie dies bitte unbedingt ernst und informieren Sie uns. Solche Sorgen dürfen nicht einfach als Heimweh abgetan werden.

Wenn das Heimweh trotz aller Unterstützung sehr stark bleibt oder Ihr Kind erheblich belastet, suchen wir gemeinsam mit Ihnen und Ihrem Kind nach einer guten Lösung. Dazu kann im Einzelfall auch eine vorzeitige Heimreise gehören.

Unser Ziel ist nicht, dass Jugendliche um jeden Preis bleiben. Unser Ziel ist, dass sie sich sicher und gut begleitet fühlen – und erfahren, was sie selbst schaffen können.

Gemeinsam schaffen wir das!

Eine Freizeit bietet Jugendlichen die Gelegenheit, selbstständiger zu werden, neue Freundschaften zu schließen, Gemeinschaft zu erleben und über sich hinauszuwachsen.

Dazu gehört manchmal auch, einen schwierigen Abend zu überstehen und am nächsten Morgen festzustellen: „Eigentlich ist es hier richtig schön!“

Vielen Dank, dass Sie uns dabei unterstützen und Ihrem Kind dieses Abenteuer zutrauen.

Das Team der Evangelischen Kirchengemeinde Hürth