Konfirmation

Nachbesserung der Praxis der Säuglingstaufe oder Übergangsritual?

rollenspiel-qEigentlich ist die Konfirmation eine „Nachbesserung“ zur üblich gewordenen Praxis der Säuglingstaufe. Man möchte den Glauben und die Entscheidung des Einzelnen ernst nehmen und lieber noch einmal im mündigen Alter nachfragen. Mit ihrem „Ja“ bestätigen die Konfirmandinnen und Konfirmanden das „Ja“, das ihre Eltern und Paten bei ihrer Taufe stellvertretend für sie ausgesprochen haben, daher der Name Konfirmation von Lateinisch „confirmare“ (bestätigen). Früher markierte die Konfirmation den Einstieg ins Erwachsenenalter. Die Volksschule war abgeschlossen. Den Konfirmationsanzug trug man in der Lehre. Heute dauert die schulische und berufliche Ausbildung viel länger. Mit 14 erreicht man aber weiterhin die „Religionsmündigkeit“, genau der richtige Zeitpunkt, den Taufunterricht nachzuholen.

Auch wenn die Konfirmandinnen und Konfirmanden nicht am nächsten Tag ins Berufsleben starten, ein Übergangsritual ist es geblieben: aus Kindern werden Leute – und wenn ich an die Konfirmationsgottesdienste der letzten Jahre denke, muss ich sagen: immer Chickere!

Für uns Unterrichtende heißt das: jedes Jahr aufs Neue wieder die Pubertätszeit begleiten. Und das in sich wandelnden Zeiten. Das ist höchst spannend. Vieles hat sich verändert. Mein Eindruck: Erwachsenwerden ist nicht einfacher geworden. Wem die Stichworte „G8“ und „Lernstandserhebung“ nichts sagen, der hat vermutlich noch eine unbeschwertere Jugend genießen dürfen.

Um so besser, dass wir in unserer Gemeinde schon 1998 „KU 3“ als überaus erfolgreiches Modell eingeführt haben, denn in der dritten Klasse haben die Kinder nicht nur noch mehr Freiräume, sie sind auch von ihrer Natur geradezu religiös und saugen die biblischen Geschichten nur so auf. Außerdem ist durch diese „Wegmarke“ auch die Zeitspanne zwischen Taufe und Konfirmation nicht so groß und birgt oft ein freudiges Wiedersehen.

Eine Konfirmandenprüfung gibt es schon lange nicht mehr (auch wenn wir das Gerücht gerne hoch halten!). An die Stelle sind der regelmäßige Unterrichtsbesuch, die Teilnahme am Gottesdienst und der Vorstellungsgottesdienst getreten, in dem die Konfirmandinnen und Konfirmanden sich und das Erlernte der Gemeinde vorstellen. Schließlich beschließt das Presbyterium über die Zulassung zur Konfirmation.

Manches ist auch gleich geblieben, etwa die Lerntexte: Psalm 23, Vaterunser, das Glaubensbekenntnis und die Zehn Gebote.

Einen hohen Stellenwert nimmt auch das soziale Lernen ein. Oder wo sonst in unserer bis in die Sportvereine segmentierten Gesellschaft kommen Kinder unterschiedlicher Schulformen zusammen und dürfen die Erfahrung machen, dass nicht alle Gymnasiasten arrogant und Hauptschüler nicht dumm sind. Dazu geben wir den Raum, die Gruppe ist das eigentliche Material, mit dem wir arbeiten. Die beiden Konfirmanden-Wochenenden sind ein ideales Feld, das auszuprobieren und miteinander weiterzukommen. Für die meisten Jugendlichen auf jeden Fall zwei unvergessliche Highlights.

Und das Fest? Aus Elternsicht ist die Konfirmation eine gute Gelegenheit unsere Kinder noch einmal richtig zu feiern (solange sie noch mit uns feiern wollen!) und Gott „Danke“ zu sagen für diese wunderbaren Geschöpfe, bevor sie sich mehr und mehr von uns lösen und ihre eigenen Wege gehen.